Ein Gastbeitrag der ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akut-Kliniken
Die meisten Menschen in Deutschland – mehr als achtzig Prozent – leiden Umfragen zufolge mindestens einmal im Leben an Rückenschmerzen. Gut sechzig Prozent erwischt es sogar alle zwölf Monate. Ein Viertel der Bevölkerung ist sogar noch stärker betroffen und muss sich mit chronischen, länger andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen auseinandersetzen.
„Die Gründe hierfür sind in der Regel vielfältig“, sagt Dr. Jan Holger Holtschmit, Präsident der Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akutkliniken (ANOA) und zugleich Chefarzt am Marienhaus Klinikum St. Wendel-Ottweiler. „Bewegungsmangel, einseitige Belastungen durch sehr viel Sitzen, Stress und auch der persönliche Umgang mit den auftretenden Beschwerden sind Faktoren, die bei der Entstehung von Schmerzen am Bewegungssystem oftmals eine Rolle spielen.“
Rund 40.000 Rückenschmerz-Patienten hat der Orthopäde mit seinem Team in den vergangenen Jahren behandelt und dabei vor allem sehr gute Erfahrung bei der multimodalen Schmerztherapie nach dem ANOA-Konzept gemacht. Dr. Jan Holger Holtschmit gibt Tipps, wie Rückenleiden abgeschwächt oder im Idealfall ganz vermieden werden können.
1) Stärken Sie Ihre Rückenmuskulatur! Der regelmäßiger Rückensport hilft dabei: insbesondere Yoga, Nordic-Walking, Tanzen, Spazierengehen, Pilates oder zum Beispiel die gezielte Rückenschule (Übungen finden sich z.B. bei der AGR ).
2) Kontrollieren Sie Ihr Gewicht und vermeiden Sie Übergewicht! Wer es schafft, sein Körpergewicht weitestgehend zu kontrollieren, schaltet von Vornherein einen wichtigen Krankheitsfaktor aus: Die Muskulatur kann – selbst wenn sie nicht besonders gut trainiert ist – leichter ihre Arbeit machen und die untere Bandscheibe wird nicht über Maßen beansprucht.
3) Beachten Sie die Ergonomie am Arbeitsplatz! Denn gerade am Schreibtisch wird die Wirbelsäule stark in Anspruch genommen. Umso wichtiger ist daher, dass der Arbeitsplatz ergonomisch eingerichtet ist. Rückenfreundliches Arbeiten bedeutet zudem, dass man beim Sitzen öfter das Gewicht verlagert und mindestens einmal pro Stunde aufsteht. Diese regelmäßige Entlastung des Rückens zahlt sich aus; denn Verspannungen können auf diese Weise häufig vermieden werden.
4) Stärken Sie Ihre Psyche und entspannen Sie regelmäßig! Meditation, der regelmäßige Spaziergang im Wald, Autogenes Training oder die Muskelentspannung nach Jacobsen können Stress abbauen und dadurch wahre Wunder bewirken. Denn wer permanent unter Druck steht, ist sowohl psychisch als auch physisch angespannt, was natürlich Auswirkungen hat. Entspannungstechniken, die regelmäßig praktiziert werden, helfen in der Regel gut dabei, besser mit Stress umzugehen und somit aus dem Teufelskreis von Stress, Schmerz und noch mehr Stress auszubrechen.
5) Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf! Nicht nur für unser Gehirn, auch für die Rückengesundheit sind regelmäßiger Schlaf und Erholungsphasen sehr wichtig. Die Bandscheiben sowie die Rumpfmuskulatur benötigen diese Ruhephase zum Regenerieren. Wer wissen möchte, wie sehr die Bandscheiben im Tagesverlauf in Anspruch genommen werden, sollte sich einmal sowohl morgens als auch abends messen. Das Ergebnis: am Abend sind wir bis zu zwei Zentimeter kleiner als am Morgen; denn die Bandscheiben werden durch die Belastung im Laufe des Tages „ausgequetscht“ und flachen dadurch ab. Dank eines ruhigen und guten Schlafes können sich unsere Bandscheiben in der Nacht erholen und Flüssigkeit aufnehmen, wodurch wir dann wieder wachsen und am Morgen gut vorbereitet auf vor uns liegende Belastungen in den Tag starten können.
6) Entwickeln Sie eine positive Einstellung zu Ihren Schmerzen! Was ist Schmerz? Wodurch entstehen Rückenbeschwerden und welche Möglichkeiten habe ich, diese zu beeinflussen und somit auch zu bewältigen? Erfahrungsgemäß ist es sehr hilfreich, wenn Schmerzpatientinnen und -patienten sich mit diesen Fragestellungen und dem Thema Schmerz auseinandersetzen. Das hilft ihnen beispielsweise Techniken zu entwickeln, wie sie ihren Schmerzen entgegenwirken können. Im Rahmen der multimodalen Komplexbehandlung der ANOA werden die Patientinnen und Patienten auch in diesem Bereich informiert und erhalten individuelle Hilfestellungen.
7) Last but not least: Nichts ist so wichtig wie regelmäßige Bewegung! „Das Leben besteht in der Bewegung“ hat bereits Aristoteles gesagt und dies ist eine Botschaft, die ich all‘ meinen Patientinnen und Patienten vorrangig mit auf den Weg gebe. Denn Bewegung ist schlichtweg das A und O für die Vermeidung von Rückenschmerzen. Die oft genannten 10.000 Schritte am Tag sind dabei eine gute Richtlinie. Doch auch andere Formen der Bewegung sind hilfreich: Ob nun Schwimmen, Radfahren, Tanzen oder Klettern – wichtig ist, dass ich mir eine Sportart suche, die zu mir passt und die ich gerne regelmäßig betreibe. Denn nur dann ist meinem Rücken wirklich geholfen.
Die ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akut-Kliniken) ist eine medizinisch-wissenschaftliche Vereinigung von mittlerweile 37 Akutkrankenhäusern, die im nicht operativen orthopädisch-unfallchirurgischen, manualmedizinischen und schmerztherapeutischen Bereich tätig sind. Die ANOA entwickelt individuelle Therapiekonzepte, die explizit nicht-operative Elemente wie z.B. Manuelle Medizin, Psychotherapie oder andere wissenschaftlich fundierte schmerzmedizinische Methoden, miteinander kombinieren. Die ANOA ist der Auffassung, dass nur im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung langfristig wirksame Therapiekonzepte umgesetzt werden können. Dazu hat die ANOA klinische Behandlungspfade mit besonderen Behandlungsschwerpunkten entwickelt. Das ANOA-Konzept basiert auf den neuesten medizinischen Erkenntnissen und ist wissenschaftlich überprüft.
Bei diesem Blog-Beitrag handelt es sich um einen Gastbeitrag, der nicht zwingend die Meinung der Redaktion der Aktion Gesunder Rücken e. V. wiedergibt.